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Vereinsgeschichte

Die Irndorfer Fasnet und das Entstehen des heutigen Narrenvereins

Das Fasnetstreiben wurde schon vor 1893 in Irndorf durchgeführt. Um 1920 wurde dies in Irndorf allerdings vom neu eingesetzten Pfarrer Kuchelmeister untersagt. Doch die Irndorfer Bürger führten im Jahr 1927, trotz Widerstand, die Fasnet wieder ein, welche bis zu den Kriegsjahren mit Umzügen und sogenannten „Kappenabenden“ in den ehemaligen Wirtshäusern Krone, Kreuz und Rose gefeiert wurden.

Nach den Kriegsjahren erlebte die Irndorfer Fasnet wieder einen Aufschwung. Unter Zunftmeister Leopold Schanz, Josef Stengele und einigen mehr wurde mit dem Elferrat die Irndorfer Fasnet bis in die 60-ziger Jahre organisiert und durchgeführt. Es gab hier eigens ein „Elferratsleible“ mit Hüten sowie „Großköpfe“, welche die Irndorfer Nachkriegsfasnet kennzeichnete. Leider sind die „Großköpfe“ heute nicht mehr auffindbar. Auch ist bis heute leider kein Elferratssitzungsprotokoll bekannt. Die vorgenannten Informationen beruhen auf Aussagen der Irndorfer Bürger, welche jene Zeit miterlebt hatten. Dann zerfiel diese Art von Irndorfer Fasnet und erst geraume Zeit später, Anfang der 70-ziger Jahre, gab es in Irndorf wieder eine Weiberfasnet. Bei dieser Weiberfasnet waren es 11 Frauen, die den Elferrat neu gegründet hatten. Es fanden im Irndorfer Jugendheim Kappenabende statt. Die Schüler gingen regelmäßig am „Schmotzigen Donnerstag“ nachmittags zum Narrensamen säen. Man holte damals kurzerhand Holzspäne bei der Schreinerei Hans Alber und säte diese symbolisch als Narrensamen. Während dieser Zeit wurden am Rosenmontag sehr oft Umzüge durchgeführt. Diese Art der Organisation war spontan und frei von den Irndorfern umgesetzt worden. Oft entschied man sich kurzerhand am Fasnetsfreitag noch einen Wagen oder eine Gruppe für den Fasnetsmontag zu machen. Diese Spontanität ist den Irndorfern bis Heute geblieben.

Anfang der 90-ziger Jahre wurde es in Irndorf mit der Fasnet sehr ruhig. Es gab keine Kappenabende mehr und die Umzüge fanden auch nicht mehr in der alljährlichen Fasnetszeit statt.

Die Fasnetsumzüge in den umliegenden Gemeinden wurden in dieser Zeit von vielen Irndorfern besucht und so manche jungen Leute aus Irndorf nahmen auch an diesen Umzügen teil. Dies ist Armin Schorer aufgefallen. Nach der Fasnet 1995 und einigen mehr oder wenig zufällig geführten Gesprächen mit Irndorfer Fasnetsbegeisterten, stand sein Entschluss fest: Die Irndorfer Fasnet muss wieder aufleben! Die wichtigste Voraussetzung war jedoch, dass alle Irndorfer diese Entscheidung gemeinsam tragen.

Er selbst gab am 23.03.1995 anonym folgende Anzeige im Gemeindeblatt „ Donnerstags“ Ausgabe Nr. 12/95 auf:

Am 29.03.1995 kamen zum vorgenannten Aufruf sehr viele Irndorfer in das Gasthaus „Wildensteinblick“. Niemand von Ihnen wusste bis dahin, wer die Initiative zur Gründung eines Narrenvereins gestartet hatte. Bis dann Armin Schorer die Versammlung eröffnete und erklärte, dass als Grundstein für die Irndorfer Fasnet ein Narrenverein gegründet werden sollte. Alle Anwesenden war von dieser Idee begeistert. Es wurde an jenem Abend im Beisein des damaligen stellvertretenden Bürgermeisters Josef Reitze, den Gemeinderäten Rudolf Schmid und Markus Rebholz eine Gründerliste erstellt. In dieser konnte sich jeder eintragen, der für die Gründung eines Narrenvereins war und im Falle einer erfolgreichen Wahl sofortiges Mitglied des neuen Vereins wurde. Insgesamt 69 Gründungsmitglieder führten noch an diesem Abend die Wahlen der Vorstandschaft und des Elferrats durch. Die Wahlen des Elferrats mit Vorstand, Kassier und Schriftführer ging nur sehr schleppend voran, da sich kaum jemand von den Anwesenden bereit erklären wollte wichtige Ämter zu übernehmen. Es wurde dann wie folgt gewählt:


 

Zunftmeister und 1. VorstandArmin Schorer
2. VorstandFrank Bach
Säckelmeister / KassiererWolfgang Oßwald
SchriftführerClaudia Reitze
ElferräteHans Altvater

Dieter Straub

Günther Biselli

Marie-Louise Horne

Monika Wild

Rainer Schulz

Armin Glückler


 

In zahlreichen Elferratssitzungen im Jahr 1995 machte man sich sogleich an die Arbeit, den Verein auf eine organisatorisch solide Basis zu stellen. Es wurde eine Vereinssatzung festgelegt, Mitgliedsbeiträge, das zukünftige Fasnetsprogramm mit historischer Basis als Grundstock sowie deren Umsetzung und vieles mehr besprochen. Ein ganz wichtiges Thema war von Anfang an das Fasnetshäs. Die Grundschullehrerin Frau Hilde Hermann unterstützte den Verein in der Anfangsphase mit einer von ihr für die Irndorfer Grundschule entworfenen Narrenhäsidee. Bei der Erstellung des Irndorfer Brauchtums half sie tatkräftig mit und der damit verbundene Brauchtumstanz wurde von ihr entwickelt.

Nach eingehendem Gedankenaustausch und diversen Anregungen innerhalb des Elferrats kam man zum Entschluß, den Irndorfer „Biel-Bocker“ als Narrenhäs nach einer gemalten Vorlage von dem Fridinger Maler und Kunsthistoriker Hans Bucher in der nächsten Hauptversammlung im November 1995 vorzustellen. Hans Bucher wurde mit dem Bemalen eines Musterhäs beauftragt. Der Fridinger Kunstschnitzer und Steinmetz Willy Bucher beauftragte man damit, eine Mustermaske für den Irndorfer Biel-Bocker zu entwerfen und erstellen. Beide Künstler legten allerdings grundsätzlich Wert auf die Individualität der Biel-Bocker Figur. Es war allen sehr wichtig, dass alle weiteren Irndorfer Biel-Bocker einzeln gemalt und die Masken geschnitzt werden sollten, da auch die zu verkörpernden Fasnetsgestalten individuell sind. Grundsätzlich durften keine Kopien der Biel-Bocker gemacht werden. Die Vielfalt und Individualität der Narrenfigur soll der Narrenhistorie und seiner Kultur entsprechen und diese wiedergeben.

Der Biel-Bocker Narr wurde in der ersten Hauptversammlung am 11.11.1995 von allen Mitgliedern einstimmig angenommen. Am gleichen Abend konnten auch bereits erste Bestellungen entgegengenommen werden.

Beim Umzug am Fasnetdienstag 1996 nahmen bereits neun Irndorfer Biel-Bocker daran teil.

Der Irndorfer Narrenverein wurde, aufgrund der mehrheitlichen Abstimmung in der ersten Hauptversammlung, am 04.11.1996 als „eingetragener Verein“ in das Amtsregister Tuttlingen eingetragen. Dies war ein weiterer wichtiger Schritt, womit die Vorstandschaft und der Elferrat des Irndorfer Narrenvereins rechtlich weitgehendst abgesichert wurde.

Die Gestaltung der Irndorfer Fasnet, verbunden mit der geschichtlichen Entwicklung des Dorfes und der Wiedergabe des Dorfcharakters, war ebenfalls ein wesentlicher und sehr wichtiger Punkt. Es galt diese Punkte als Grundstein für die Irndorfer Fasnet zu verankern und das Ganze in die Irndorfer Fasnet als Leitbild zu integrieren. Dr. Elmar Blessing war überwiegend an der Entwicklung dieser umfassenden Arbeit beteiligt. Durch seine geschichtlichen Auszüge und Beratungen erhielt der Fasnetsablauf und insbesondere der sehr geschätzte, und in unserer Region einmalige Irndorfer Zunftabend wertvolle Elemente. Diese Elemente prägen die Irndofer Fasnet ganz wesentlich und bringen jedem Irndorfer den Bezug zur Tradition näher.

Mit der Entwicklung des Irndorfer Brauchtums entstand automatisch die zweite Fasnetsfigur, „der Bauer“. Diese Figur erfreute sich zunehmend der Beliebtheit und ist ein wesentliches Element bei den Brauchtumsvorführungen sowie beim Narrensamensäen am „Schmotzigen Dunschtig“.

Nach reger Diskussion innerhalb des Elferrats wurde dann mehrheitlich beschlossen, dass der Antrag zur Aufnahme des Narrenvereins in den Narrenring „Narrenfreunde Heuberg“ gestellt werden soll. Dieser wurde bei der Generalversammlung der Narrenfreunde Heuberg im Jahre 1996 in Egesheim gestellt. Dem Antrag des Narrenvereins Irndorfs wurde noch in derselben Sitzung stattgegeben. Somit war der Weg frei, auch regionalbezogen an den Fasnetsumzügen der umliegenden Nachbargemeinden teilzunehmen.

Bereits nach der Gründung war der Wunsch vieler Irndorfer das „Hardtweible“ als Narrenfigur zu wählen. Nachdem der Narrenverein bereits über 80 Biel-Bocker Narren zählen konnte, entschied sich der Elferrat zu Einführung des „Irndorfer Hardtweible“ im Jahr 2000.

Um die Fasnet durchführen zu können, stellte Georg Frick 1996-2000 seinen Schuppen zur Verfügung. Der landwirtschaftlich genutzte Schuppen wurde jedes Jahr in der Fasnetszeit mit sehr viel Aufwand, Engagement und vielen Helfern in eine urgemütliche Narrenhalle verwandelt.

Von 2001 bis 2006 wurde die Irndorfer Fasnet im Pfarr- und Jugendheim gefeiert. Seit 2007 findet die Fasnet in der Eichfelsenhalle Irndorf statt.

 

  

 

Kontakt:

Zunftmeister

Jochen Haselmeier

Schwenninger Weg 5

78597 Irndorf

 

zunftmeister@bielbockerzunft.de